St. Martin Kirche in Nienburg: Auf den Spuren der Grafen von Hoya

St. Martin Kirche in Nienburg: Auf den Spuren der Grafen von Hoya

Mit ihrem rund 72 Meter hohen Turm gehört die St. Martin Kirche zu den weithin sichtbaren Wahrzeichen Nienburgs und bildet einen markanten Punkt in der historischen Altstadt. Die Mittelweser-Touristik bezeichnet das Gotteshaus als „Herz der Altstadt“ und führt die dreischiffige spätgotische Hallenkirche als Sehenswürdigkeit und Ziel von Kirchenführungen.

Im Inneren sind mittelalterliche Ausmalungen, wertvolle Grabdenkmäler und Bildwerke erhalten. Zu den besonderen Kunstschätzen zählen die zwölf Apostelfiguren aus der Werkstatt des sogenannten Meisters von Osnabrück, die um 1520 entstanden. Die Kirchengemeinde hält die St. Martin Kirche im Sommerhalbjahr regelmäßig für Besucher geöffnet.

Die Baugeschichte der Martinskirche reicht bis ins späte 12. Jahrhundert zurück. Nach Angaben der Kirchengemeinde gehören die ältesten Bauteile der heutigen Kirche zu einem damaligen Gewölbebau mit Querhaus. Der aus Sandsteinquadern errichtete untere Teil des Turmes stammt aus dem 13. Jahrhundert; aus demselben Material wurde Mitte des 14. Jahrhunderts der ungewöhnlich gestaltete Chor gebaut. Im 15. Jahrhundert kamen zwei Seitenschiffe hinzu, wodurch St. Martin zur spätgotischen Hallenkirche umgestaltet wurde. Der heutige neugotische Turmaufbau entstand 1896 auf dem erhaltenen mittelalterlichen Untergeschoss.

Ein Zeugnis der Geschichte:

Eine besondere historische Bedeutung besitzt St. Martin als Grablege der Grafen von Hoya. Unter dem Chor befand sich die gräfliche Gruft; die steinernen Grabmäler standen bis 1830 im Chor und befinden sich heute im Turmgewölbe. Dort erinnern die Tumben an Graf Jobst II. und Graf Otto VIII. sowie an ihre Ehefrauen. Die Kirchengemeinde bezeichnet die gotische Hallenkirche ausdrücklich als Grablege der Grafen von Hoya. Neben diesen Grabdenkmälern bewahrt St. Martin weitere Zeugnisse ihrer langen Geschichte, darunter mittelalterliche Wandmalereien und zahlreiche Epitaphien.

Auch die Entwicklung Nienburgs ist eng mit dem Grafenhaus verbunden. Um 1215 gelangte Nienburg in den Besitz der Grafen von Hoya; die Stadt Nienburg führt aus, dass Graf Heinrich I. den Ort zur Residenz machte. Für die Mitte des 14. Jahrhunderts ist eine Teilung der Grafschaft überliefert. Die regionale Tourismusdokumentation beschreibt, dass Graf Gerhard in Hoya residierte, während Graf Johann Nienburg zu seiner Residenz machte und die Martinskirche zur Grablege seines Familienzweiges wurde. Als 1582 der letzte Hoyaer Graf Otto VIII. ohne männlichen Erben starb, fiel Nienburg an die welfischen Herzöge von Braunschweig-Lüneburg.

Damit ist die St.-Martinskirche ein bedeutendes Zeugnis der historischen Verbindung zwischen Nienburg und Hoya. Hoya war Stammsitz der Grafen; die dortige Burg entstand nach Angaben der regionalen Geschichtsdokumentation um 1213. Nienburg gelangte wenig später in den gräflichen Besitz und entwickelte sich ebenfalls zu einer Residenz des Hauses Hoya.

In St. Martin ist diese gemeinsame Geschichte bis heute besonders anschaulich: Die Kirche diente einem Zweig der Grafenfamilie als Grablege, und die Sarkophage Jobsts II. und Ottos VIII. erinnern unmittelbar an die Hoyaer Herrschaft. Wer die Geschichte der Grafen von Hoya entlang der Weser verfolgt, findet deshalb in der Nienburger Martinskirche einen zentralen historischen Erinnerungsort.



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