Die Grafschaft Hoya war ein bedeutendes Territorium des Heiligen Römischen Reiches im Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis, das sich überwiegend westlich der Mittelweser erstreckte. Benannt nach dem Ort Hoya, bildet die historische Grafschaft die Grundlage für den späteren gleichnamigen Landkreis und die heutige Samtgemeinde. Ihr Stammsitz war die Burg Hoya, die Ende des 12. Jahrhunderts auf einer Weserinsel errichtet wurde.
Die Herkunft der Grafen von Hoya ist nur sagenhaft überliefert: Ein friesischer Edelmann soll nach Vertreibung aus seiner Heimat in Friesland südlich der Weser eine neue Burg gegründet haben, wodurch der Grundstein für die spätere Grafschaft gelegt wurde.
Die ersten Grafen und territoriale Ausdehnung
Urkundlich nachweisbar ist Heinrich, Sohn des Friesen, der 1202 als erster Graf von Hoya in Erscheinung trat. Er erwarb Titel, Güter und Wappen von den ab 1091 bezeugten Edelherren von Stumpenhusen, die damit ihre Linie auslaufen ließen. Mit diesen neuen Besitzungen konnte Heinrich die Grundlage für die Expansion der Grafschaft schaffen.
Bereits um 1205 verdrängte er die Herren von Hodenberg und erwarb 1215 die Freigrafschaft Nienburg, was zu langjährigen Konflikten mit dem Bistum Minden führte. In den folgenden Jahrhunderten erweiterten die Grafen ihr Territorium erheblich, darunter durch den Kauf der Grafschaften Alt- und Neubruchhausen, und erlangten so die größte Ausdehnung der Grafschaft, die einer Fläche von rund 2.250 km² entsprach.
Aufteilung der Grafschaft und Konflikte
Im Jahr 1345 wurde die Grafschaft zwischen zwei Brüdern aufgeteilt: die obere Grafschaft (Nienburger Linie) und die untere Grafschaft (Hoyaer Linie). Während beide Linien gemeinsame Entscheidungen trafen, unterschieden sich die Titel der Grafen. Die Hoyaer Linie starb 1497 aus, wodurch die Grafschaft vollständig an die Nienburger Linie fiel. Politische Spannungen führten in der Mitte des 14. Jahrhunderts zur sogenannten Hoyaer Fehde gegen die Hansestadt Bremen, in deren Verlauf Hoya militärische Erfolge erzielte und Bremen hohe Auslösesummen zahlen musste.
Niedergang und Reformation
Ab dem 16. Jahrhundert begann der Niedergang der Grafschaft Hoya. Finanzielle Schwierigkeiten durch teure militärische Unternehmungen und der Druck benachbarter Mächte wie der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg schwächten die Grafen. 1512 besetzten die Welfenherzöge die Grafschaft, 1519 kehrten die Grafen zurück, jedoch unter der Bedingung, ihr Territorium als Lehen zu akzeptieren. Politisch bedeutend wurde auch die Reformation: Graf Jobst II. bekannte sich 1523 zu den Lehren Luthers, was den Einfluss der protestantischen Bewegung in der Region stärkte.
Ende der Grafschaft und heutige Nachwirkung
Mit dem Tod des letzten Grafen Otto VIII. 1582 endete die eigenständige Linie Hoya. Die Grafschaft wurde unter welfischen Linien aufgeteilt, später Landesherren durch die Kurfürsten und Könige von Hannover. 1866 fiel Hoya mit Hannover an Preußen, und seit 1946 gehört das Gebiet zu Niedersachsen. Historische Bezüge blieben bestehen:
Von 1932 bis 1977 existierte der Landkreis Grafschaft Hoya, und die heutige Samtgemeinde Hoya trägt seit 1979 offiziell den Namen „Samtgemeinde Grafschaft Hoya“.