„Get Loud Against Hate“ in Hoya mit der umstrittenen Punkrockband „Rogers“

„Get Loud Against Hate“ in Hoya mit der umstrittenen Punkrockband „Rogers“

Die Präventionsveranstaltung „Get Loud Against Hate“ findet zum dritten Mal im Schulzentrum in Hoya statt. Organisiert wird die Veranstaltung von Schülerinnen und Schülern unter der Leitung der Lehrkräfte Sabine Wagner, Milan Meyer und Maik Landsmann mit Unterstützung des Präventionsrats Grafschaft Hoya.

Als Headliner soll die Düsseldorfer Punkrockband „Rogers“ auftreten. Co-Headlinerin ist Mia Morgan, die zu den derzeit profilierten deutschen Indie-Musikerinnen zählt. Neben ihnen ergänzen weitere überregional bekannte Bands wie „Casino Blackout“, „Bruchbude“ und die Nachwuchsband „Falling Dream“ das Line-up.

Ziel der Veranstaltung sei es angeblich, ein Zeichen für „Vielfalt“, „Demokratie“ und ein friedliches Miteinander sowie gegen Radikalisierung zu setzen. Doch bei genauerer Betrachtung fällt sehr schnell ein politisches Ungleichgewicht bzw. ein offensichtlicher Mangel an politischer Neutralität bei der geplanten Veranstaltung auf.

Die Band „Rogers“

Die Band spricht sich ausdrücklich gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus aus. In Interviews betonen die Mitglieder außerdem ihre kritische Haltung gegenüber Teilen der sogenannten Deutschrock-Szene, deren politische Abgrenzung nach „rechts“ sie teilweise für unzureichend halten.

Sänger Arthur Noppeney sagte in einem Interview (Link):

„Wenn man uns nach unserer politischen Einstellung fragt, sind wir alle links orientiert, ausnahmslos“, zitiert das Online-Magazin „Away from life“ den Sänger im Jahr 2019. Im weiteren Verlauf erklärte Arthur, die Bandmitglieder würden persönlich die Meinung vertreten, dass „Punk politisch sein sollte“ und, dass aus seiner Sicht einfache Aussagen wie „rechte Politik ist scheiße“ nicht ausreichten, wenn sie nur auf den eigenen Konzerten und vor dem eigenen Publikum geäußert würden.

Im selben Interview zog er einen Vergleich zur Punkband „Slime“ und sagte:

„Ich will aber trotzdem nochmal sagen, dass unsere politische Einstellung nicht weniger ‚radikal‘ ist als die von Slime. Wenn es am Ende darauf ankommt, sind wir da voll auf derselben Linie, jedoch drücken wir es in der Musik anders aus.“ Wie diese Aussage zu verstehen ist, ist interpretationsbedürftig. Sie lässt sich sowohl als Bezug auf eine konsequent antifaschistische Haltung als auch als Selbstbeschreibung einer grundsätzlich radikalen politischen Position lesen.

Auf direkter Nachfrage zur Band „Slime“ erklärte Arthur: „Find ich mega gut und das hat uns auch sehr geprägt! Dennoch würde ich einen leichten Gegenpol bilden und sagen, dass auch wir die Faust ballen und hochhalten.“ Als Beispiel nannte er ein sehr direktes Musikstück, das „allen Leuten an den Karren pissen“ würde, die „einer Religion angehören“, auch „wenn wir hier nicht den Glauben sondern die Institution der Kirche meinen“, führte Arthur weiter aus.

Die Band „Slime“

Wer die Band „Slime“ nicht kennt, für den folgt ein kurzer Überblick über die bekanntesten Kontroversen und Skandale seit deren Gründung im Jahr 1979.

Gewaltverherrlichende und polizeifeindliche Texte:

Vor allem Lieder wie „Bullenschweine“, „Polizei SA/SS“ oder der Song „A.C.A.B.“ (Link), der selbst heute noch von der Band gespielt wird, lösten heftige Kontroversen aus. Mehrere Veröffentlichungen wurden indiziert oder waren Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen, unter anderem wegen des Vorwurfs der Verunglimpfung staatlicher Institutionen. Viele ihrer Lieder sind selbst heute noch im Internet, wie beispielsweise auf der Plattform Youtube (Link), zu finden.

Antiamerikanismus:

Der Song „Yankees raus“ gehört zu den umstrittensten Werken der Band. Kritiker – auch aus Teilen der politischen Linken – warfen „Slime“ vor, antiamerikanische Ressentiments zu bedienen. Insbesondere Vergleiche der US-Politik mit nationalsozialistischen Organisationen wurden als problematisch angesehen. Die Band wies diese Vorwürfe zurück.

Quelle: Wikipedia

NS-Vergleiche:

Einzelne Texte, insbesondere in „Yankees raus“, wurden dafür kritisiert, Vergleiche mit SA und SS zu ziehen und dadurch die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren. Diese Kritik kam unter anderem aus Teilen von Attac sowie der sogenannten antideutschen Linken.

Quelle: Wikipedia

Sexistische Sprache:

Die Textzeile „Ich glaube eher an die Unschuld einer Hure …“ aus dem Lied „Gerechtigkeit“ führte zu Protesten autonomer Frauengruppen, die die Wortwahl als sexistisch kritisierten.

Quelle: Wikipedia

„Deutschland muss sterben“:

Die Zeile „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ löste jahrzehntelang Debatten aus. Kritiker sahen darin eine pauschale Ablehnung Deutschlands oder eine Verhöhnung nationaler Symbole. Die Band erklärte dagegen, der Text sei als satirische Umkehrung einer historischen militaristischen Parole zu verstehen. Kritiker zweifeln jedoch bis heute an solchen Distanzierungsversuchen der Band, selbst nachdem sie ihren Sänger gewechselt hat.

Quelle: Wikipedia

 

Die Band „Rogers“ gibt sich von ihrem Musikstiel deutlich gemäßigter als die aggressivere Punkrockband „Slime“, ist aber laut eigener Aussage eben so radikal, jedenfalls, wenn man die Aussagen so nimmt, wie sie getätigt wurden. Außerdem muss sich der Präventionsrat Grafschaft Hoya an dieser Stelle die Fragen stellen, aber auch die betroffenen Eltern, ob hier von den Veranstaltern selbst eine einseitige politische Radikalisierung betrieben wird.

Kritikpunkte besorgter Eltern und Bürger:

Aus Sicht einiger Eltern und Bürger, die sich mit der Band „Rogers“ beschäftigt haben, werden eben immer wieder folgende Punkte im Zusammenhang mit der geplanten Veranstaltung angesprochen:

  • Selbsteinordnungen der Band „Rogers“ wie, man sei ausnahmslos „links orientiert“ und ebenso „radikal“ wie die Band „Slime“ führen regelmäßig zu Irritationen in Hinsicht auf die politische Ausrichtung der Band sowie der zum dritten Mal stattfindenden Veranstaltung „Get Loud Against Hate“ in Hoya.
  • Einige Eltern erwarten, dass eine schulische Präventionsveranstaltung gegen Radikalisierung möglichst neutral auftritt.
  • Andere Eltern vertreten die Auffassung, dass der Begriff „Radikalisierung“ alle Formen politischer und religiöser Radikalisierung gleichermaßen umfassen sollte. Vor diesem Hintergrund entsteht häufig der Eindruck, dass linksextreme Radikalisierung weniger thematisiert wird als rechtsextreme.
  • In Bezug auf die Band „Rogers“ stellen Eltern immer wieder die Frage, ob eine „radikal“ politisch positionierte Punkband – auch wenn sie sich angeblich zu demokratischen Grundwerten bekennt – die geeignete Hauptattraktion für eine schulische Präventionsveranstaltung ist.

Diese Punkte stellen ernsthafte Argumente sowie berechtigte Kritik dar, die in persönlichen Gesprächen mit Bürgern der Samtgemeinde Grafschaft Hoya in ähnlicher Art und Weise immer wieder vorgebracht werden. Auch bei einigen befragten Schülern hielt sich die Begeisterung für die Veranstaltung in Grenzen, da der Eintrittspreis trotz Ermäßigung noch zu hoch sei und sowieso nur die „coolen“ Kids dazugehören würden.